UteBales b

Die Welt zerschlagen

 

Nicht mehr weit

Alles ist erfüllt vom tiefen Keuchen ihres Atems: der Himmel, die Häuser, die Autos und Menschen. Auch er, der sie trägt, weil ihr jede Kraft fehlt. Er hat sie in eine Decke gepackt, denn sie friert, obwohl es warm ist. Die Straße scheint unendlich und während er sie stützt, dann wieder ein Stück trägt, denkt er daran, dass sie sterben könnte und diese Gedanken erfassen ihn ganz, nehmen jeden verfügbaren Raum. Ihr eingefallenes Gesicht vor Augen geht er wie ein Schlafwandler vorwärts, sieht nicht, dass Leute von ihnen abrücken und einen Bogen machen, hört nur nach dem rasselnden Geräusch ihres Atems, nach ihrem Stöhnen und Husten, ist taub für alles andere. »Es ist nicht mehr weit. Wir haben es bald geschafft.«

Kamillenblumen

 

In der Eifel wurde es Frühling. Das erste zarte Grün legte sich über die Wiesen und der wenige Schnee, der jetzt noch fiel, blieb nicht mehr liegen. Die Sonnenstrahlen brachen sich in unzähligen Regentropfen, die an den noch kahlen Zweigen hingen. Ein paar Tage schon hatte Traud so gut wie nichts gegessen, außer einem Ei, das sie einem Nest entnommen, ausgestochen und getrunken hatte. Wasser gab es im Überfluss, aber die Felder lagen öde, die Sträucher standen kahl.

Peter Zirbes

 

Die Kraniche waren zurück. Mit ihrem nimmermüden Kruh-Krürr hatten sie sich nächtens auf dem Mosenberg niedergelassen, den ganzen Tag überflogen sie im Dreiecksflug kreischend das Kailbachtal. Neben dem Patronatsfest, dem Gertrudistag, war das für die fahrenden Händler der ganzen Gegend das Zeichen zum Aufbruch.

Unter dem großen Himmel

 

Auf Strümpfen verließ er das Zimmer. Das Atmen fiel ihm schwer, aber das Herzstechen blieb aus und bis zum Maar (Vulkansee) würde er es schaffen. Er schlich die Treppe hinunter, brauchte eine Weile, bis er die Schuhe fand, und als er sie gebunden hatte, lehnte er für einen Moment erschöpft an der Wand. Schweiß perlte auf seiner Stirn.

Großes Ey

 

Dame im lila Kleid

Im Frühjahr, nachdem Johanna zwei seiner Radierungen verkaufen konnte, überfiel sie Dix mit einem Ansinnen. »Ich hab einen Wunsch. Sogar einen großen. Und weil ich jetzt etwas Geld habe, kann ich ihn endlich aussprechen.« Er zählte das Geld, das sie ihm für die Radierungen auf den Tisch gelegt hatte, in seine Börse und grinste. »Das war mehr als dringend. Wenn du wüsstest, wie abgebrannt ein Mensch sein kann.«