UteBales b

Pressetext "Kamillenblumen"


"Kamillenblumen" von Ute Bales

Roman, Broschur
288 Seiten, ISBN 978-3-89801-215-7
Preis: 12,00 Euro

Die Eifel, inzwischen als Region des Kriminalromans etabliert, bringt nicht nur Text gewordenen Mord und Totschlag hervor. Hier blühen auch ganz andere literarische Blumen, wie der neue Roman von Ute Bales zeigt.
"Kamillenblumen" erzählt die bewegende Geschichte der Hausiererin Traud, die – mit ihrer Mutter – im Frühjahr 1901 obdachlos wird. Eine Weile noch werden die beiden von Verwandten geduldet, bevor sie auf die Straße geraten und ein Wanderleben beginnen, das von größten Entbehrungen, Ausgrenzungen, Hunger und Elend geprägt ist. Ihre Schlafplätze sind nicht nur Ställe und Scheunen auf den Dörfern, sondern auch Wälder, wo sie nicht selten in Tierunterständen nächtigen. Sie verdingen sich auf Bauernhöfen, oft nur für die Zeit einer Ernte, und sichern sich durch den Verkauf von Kamille, den sie an Weg- und Feldrainen pflücken, ein karges Zubrot. Als die Mutter stirbt, zieht Traud allein weiter ...

Der Roman beschreibt die endlose Wanderung der Traud durch die Eifel, vor, während und nach den beiden Weltkriegen. Er erzählt von Dreck und Einsamkeit, aber auch von Schönheit, Würde und Größe. Und von der ungewöhnlichen Liebe zu Paul.

Der Stoff zu den "Kamillenblumen" ist aus dem Leben gegriffen. Hier wurde Vergessenes hervorgeholt, nach Jahrzehnten gefunden und beschrieben. Der Roman spielt in der 1. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in einem sozial und landschaftlich homogenen Raum. Die Grenzen dieses Raumes sind eng. Eifel eben. Die Heldin bewegt sich am Rand, eine Randfigur, die auch dort verbleibt, obwohl der Leser ihr mehrfach zurufen mag, doch die wenigen Chancen zu nutzen, aus diesem Elend auszubrechen. Aber Traud bleibt nicht nur sich selbst, sondern auch der Landschaft treu, in die sie hinein geboren wurde und zu der sie gehört wie Basalt und Lava, Hühnervogel und Dachs, Vulkan und Maar, Katzengold und Ginster.
Sie lebt ein Nomadenleben, ohne wirkliche Freiheit. Tragisch würde man es heute nennen, besonders in den Zeiten der Weltkriege, besonders tragisch für eine Frau.
Fraglos trägt sie diese schicksalhafte Verlorenheit, ist dennoch in allem was sie tut, integer und gradlinig. Die ihr jahrelang entgegengebrachte Verachtung tut ein Übriges und macht aus ihr einen Menschen, der sich minderwertig und unwürdig fühlt.

Mit Ute Bales haben wir eine Erzählerin vor uns, die sich an Menschen und Orten orientiert und mit viel Anteilnahme für ihre Figuren schreibt. Sie hat die Möglichkeiten erkundet, wie es gewesen sein könnte mit der Traud, mit der Zeit, mit dem Raum. Sie hat etwas erkundet, von dem der Leser schnell ahnt, dass es nicht nur ein Stück Zeitgeschichte ist. Denn das Grundthema des Buches ist nicht das vielfältige Handlungsgeschehen in der Entwicklung der Protagonistin, sondern die Position dieser Frau in einer Gesellschaft und einer Zeit, die bedrückend und quälend wirkt, ein ungeschminkter und leidvoller Kampf einer abseits Stehenden. Einen erholsamen Ausgleich für die bedrückende Seite dieser Frauenrolle und gleichsam Kraft spendend für die Heldin, zeigt sich in ihrer Verbundenheit zur Natur und in der Liebe zu Paul.
Neben der Lebensgeschichte der Heldin skizziert der Roman die entlegene Welt der Eifeldörfer bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Gebiet zwischen Mayen und Kelberg, zwischen Mosel und Ahr.



Die Autorin:

Ute Bales, 1961 in Borler/ Eifel geboren und in Gerolstein/ Eifel aufgewachsen. Studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Kunst in Giessen und Freiburg/Breisgau, wo sie als Dozentin an einer privaten Wirtschaftsakademie arbeitet.

Buchveröffentlichungen: "Der Boden dunkel", Roman, Nierstein und Weißenseifen, 2006