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Pressetext »Die Welt zerschlagen«

Die Welt zerschlagen
Der neue Roman von Ute Bales widmet sich dem Leben der Kölner Dada-Künstlerin Angelika Hoerle

 

Der Roman „Die Welt zerschlagen“ spielt in einer Zeit großer Umbrüche. Hintergrund sind die aufgewühlten Jahre vor und nach dem Ersten Weltkrieg.
1899, in Köln als Tochter eines Möbelschreiners geboren, gehört Angelika zur letzten Generation von Kindern im Kaiserreich, die behütet aufwachsen. Zusammen mit der Mutter spielt sie Klavier; mit der Schwester entwirft sie Kleider und Hüte. Unterstützt von ihrem Bruder Willy wird das Zeichnen immer wichtiger und sie träumt davon, eine Künstlerin zu werden.
Angelika ist 15, als der Kaiser zum Krieg aufruft und Tausende von Soldaten in den Tod schickt. Während des Krieges verliebt sie sich in Heinrich Hoerle, einen Bohémien und Maler der Kölner Kunstszene. Er wird eingezogen, ebenso wie die Brüder. Angelika erfährt eine Zeit voller Angst und Warten.  
Nach dem Krieg und der Rückkehr der Männer – einer der Brüder kehrt schwer traumatisiert nach Hause zurück – erlebt sie die Novemberrevolution und den Zusammenbruch des Kaiserreichs. Der Krieg, die schwere Verwundung des Bruders sowie die Vorstellung, eine neue und bessere Welt zu kreieren, führen dazu, dass sie sich auf die Seite der revolutionären Künstler stellt. Mit 19 Jahren heiratet sie Heinrich. Der Vater weist ihr die Tür. „Ich habe keine Tochter mehr!“
Die Wohnung in Köln-Lindenthal, die Angelika mit Heinrich bezieht, entwickelt sich schnell zu einem Künstlertreff. Trotz Hunger und Kälte wird intensiv gemalt und Karneval gefeiert, es werden turbulente Dada-Aktionen geplant und progressive Zeitschriften herausgegeben. Es ist ein lauter Protest gegen den Irrsinn des Krieges, eine Rebellion gegen die Politik, die Enge der bürgerlichen Gesellschaft und den Fortschrittswahn jener Jahre. In der Gesellschaft und ihrer Führung sehen sie das eigentliche Übel, das den Krieg provoziert hat. In ihren Bildern spiegelt sich der totale Bruch mit der Vergangenheit und allen konservativen Auffassungen in Kunst, Musik und Literatur. Der Klappentext des Romans verweist auf das, wovon die Künstler in Angelikas Umkreis erfüllt sind: „Alles, was du siehst, gehört zerschlagen. Ja, die Welt zerschlagen. Das müsste man.“  
Angelika zeichnet groteske Figuren, gesichtslose Portraits, versehrte und deformierte Körper. Für kurze Zeit gehört sie zum Kreis um Max Ernst, Hans Arp, Johannes Theodor Baargeld. Dann wendet sie sich der eher politisch engagierten Kunst zu, setzt sich mit den Malern Franz Seiwert sowie Marta und Anton Räderscheidt für die Arbeiterklasse ein, sucht und entwickelt völlig neue, künstlerische Ausdrucksformen, mit denen sie sich bald einen Namen macht. Leider bleibt ihr nur wenig Zeit, ihre Kunst auszubilden. Eine Tuberkulose-Erkrankung bringt das Ende ihrer Karriere. Aus Angst vor Ansteckung trennt Heinrich sich von ihr und überlässt sie ihrem Schicksal. Als kranke und mittellose Frau muss sie letztlich in die elterliche Abhängigkeit zurückkehren. Sie stirbt mit 23 Jahren.
Angelika Hoerle hat nur einen kurzen Auftritt in der Kunstgeschichte. In ihren Bildern offenbart sich alles, was ihr weh getan hat: der Krieg, die Verwundung des Bruders, die Zerstörung der Kultur und der Freiheit. Ute Bales beschreibt ein wichtiges Stück deutscher Geschichte. „Die Welt zerschlagen“ ist ein gleichermaßen tragischer und dramatischer Roman über eine willensstarke junge Frau, der die Zeit nicht reichte, und eine Gruppe Künstler, die daran glaubte, dass ihre Ideen und Aktionen die Welt verändern würden.

 

Ute Bales
„Die Welt zerschlagen“
Hardcover, Schutzumschlag
ISBN 978-3-89801-080-1
280 Seiten
19,80 Euro