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Rezension von Norbert Küpper, Atelier Knorr-Küpper Köln, Dezember 2014

 

Rezension von Norbert Küpper, Atelier Knorr-Küpper Köln, Dezember 2014

Buchempfehlung: „Großes Ey - Roman über das Leben der Johanna Ey“ von Ute Bales

Die in der Eifel geborene und aufgewachsene Romanautorin Ute Bales hat in ihren vier bisher erschienenen Büchern historische Personen und Geschichten aus der Eifelregion thematisiert. Diese Romane spielen alle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihr 2012 veröffentlichte Roman „ Unter dem großen Himmel“ war eine Künstlerbiographie, des aus Ahrweiler stammenden Malers Pitt Kreuzberg. Sein ganz eigener, zuweilen eigensinniger künstlerischer Werdegang wurde für den Leser nacherlebbar. All diese Romane zeichnen sich durch detaillierte Recherche aus.

Mit ihrem aktuellen Roman „Großes Ey“ verlässt die Autorin die Eifel und wendet sich der Düsseldorfer Kunstszene zwischen 1900 und 1945 zu. Man könnte das neue Buch als ein „Zwillingswerk“ des Kreuzberg-Romans auffassen. Denn das umfangreiche historische Material des Vorgängerromans fließt auch in dieses Buch mit ein und wurde durch weitere kunsthistorische Nachforschungen erweitert. Pitt Kreuzberg taucht notwendigerweise auch immer wieder einmal auf, was Bales aber sparsam einsetzt und somit Wiederholungen vermeidet.

Johanna Ey wurde vor genau 150 Jahren in Wickerath geboren. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Johanna zog nach Düsseldorf und wurde nach einer gescheiterten Ehe zu einer der wichtigsten Kunstförderinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nicht durch vorherige Kunstkennerschaft, sondern durch Zufall, Instinkt, pragmatischen Geschäftsideen und fast mütterlicher Fürsorge schafft sie einen einzigartigen Treffpunkt für die sich neu formierende Kunstszene.

Diese Ereignisse werden von Ute Bales lebendig erzählt und mit zahlreichen kleinen Anekdoten angereichert. So wird zum Beispiel eine fröhliche Mallorca-Reise ausgiebig beschrieben und somit zu einer Geschichte in der Geschichte. Dabei werden die historischen und sozialen Zusammenhänge, wie die beiden Weltkriege, Inflation oder Weltwirtschaftskrise nie aus den Augen verloren.

Anders als im Kreuzberg-Roman musste die Autorin neben der Protagonistin weitere prägnante und eigenständige Persönlichkeiten herausarbeiten. Künstler wie Wollheim, Pankok, Ernst oder Dix werden in ihren solidarisch freundschaftlichen, aber auch konkurrierenden und eifersüchtigen Zügen überzeugend charakterisiert. Ebenfalls arbeitet Bales die unterschiedlichen Sympathien von Johanna Ey zu „ihren“ Künstlern treffend aus.

Mit „Unter dem großen Himmel“ und „Großes Ey“ hat sich Ute Bales ein eigenes Genre geschaffen. In beiden Romanen wird Kunstgeschichte nicht nur als Auflistung einer Abfolge und Abgrenzung von Stilen vermittelt. Vielmehr werden Kunstwerke und Künstler durch die Umstände ihrer Entstehungszeit verständlich gemacht. Die weißen Flecken der kunsthistorischen Faktenlage überbrückt Bales mit ihrer Fähigkeit der Erzählung. Kunstgeschichte wird hier zu einer „Geschichte“ von Kunst. Der Leser wird die Kunstwerke nach der Lektüre mit einem perspektivisch erweiterten Blick betrachten.

Norbert Küpper, Künstler und Kunsthistoriker MA

www.atelier-knorr-küpper.de

 

 

Ute Bales

»Großes Ey«

Die Lebensgeschichte der Johanna Ey
Roman

Rhein-Mosel-Verlag, Zell 2014

430 Seiten

Hardcover + Schutzumschlag

ISBN 978-3-89801-072-6

22,80 €