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Wilhelm Oertel, Superintendent zu Sobernheim, und sein armer Poet aus der Eifel

 

Ute Bales widmet sich in ihrem neuen Roman dem Eifeldichter Peter Zirbes und schildert dessen Kontakte nach Sobernheim und zu Wilhelm Oertel.

Mitte des 19. Jahrhunderts lebte in Sobernheim der evangelische Pfarrer und Volksschriftsteller Friedrich Wilhelm Oertel, alias W.O. von Horn. Zu seinen Lebzeiten und bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gehörte er zu den meistgelesenen Volks- und Jugendschriftstellern. Als Königlich-Preußischer Superintendent bewohnte Oertel das Pfarrhaus in der Igelsbachstraße, gründete einen der ersten Frauenvereine Preußens, war Mitbegründer eines Musikvereins und einer Lesegemeinschaft. In seinem Nachlaß finden sich neben Aufzeichnungen über den Kirchenkreis und den Tagesablauf eines Pfarrers auch Hinweise auf einen Mann, den er „seinen armen Poeten aus der Eifel“ nennt. Bei Recherchen zu einem Roman und mithilfe des Oertel-Museums Manubach stellte sich heraus, dass es sich bei dem zunächst namenlosen Poeten um den wandernden Porzellanhändler Peter Zirbes aus der Eifel handelte, der später als erster Eifeldichter berühmt wurde. Zirbes kam mit seinem bepackten Eselskarren jährlich nach Sobernheim, um seine Ware anzubieten. Auf seinen Hausierfahrten durch das Rheinland verkaufte er allerdings nicht nur Glas und Steinzeug, sondern dichtete, schrieb Lieber, Balladen und Eifelsagen, die er seiner Kundschaft vortrug. Als Zirbes um das Jahr 1850 auch auf dem Sobernheimer Marktplatz seine Gedichte deklamierte, befand sich Wilhelm Oertel unter den Zuhörern und lud ihn zu sich ins Pfarrhaus ein. Oertel erfuhr einiges über das Leben des dichtenden Händlers: über die Armut in der Eifel, über die aussichtslosen Bemühungen um eine Schulausbildung, über die Welt der Hausierer, der lauten Märkte, des Drecks und der kargen Lager. Neben dem elenden Leben beeindruckte ihn das poetische Talent des jungen Mannes und so verhalf er ihm zu einer Veröffentlichung im Meisenheimer Boten und unterstützte
ihn bei der Herausgabe einer Gedichtsammlung. Die erste Auflage wurde in wenigen Wochen komplett verkauft.
In Zirbes’ Eifelheimat allerdings zeigte man für dessen Dichtkunst kein Verständnis. Die Bücher stießen auf Unverständnis und Neid. Demütigungen und Ausgrenzungen waren die Folge.
Mit Oertels Hilfe erschien eine zweite Auflage, die sich allerdings nicht mehr verkaufen ließ und Zirbes an den Rand der Existenz brachte. Der  
ertrug die Niederlage sowie die Isolierung in seinem Dorf ebenso wie die schmerzliche Liebe zu Loni, indem er seinem armen Dasein die Schönheit von Sprache und Dichtung entgegensetzte.
Zerrieben zwischen dem Anspruch seines Künstlertums und den Erfordernissen des Broterwerbs, zog es Zirbes immer wieder nach Sobernheim zu seinem Förderer. Als Oertel 1867 starb, sah Zirbes keine Hoffnung mehr für seine Dichtungen. Als er sich später in seinem Dorf gegen tradierte Vorstellungen auflehnte, begann sich dort ein Drama zusammenzuspinnen. Spott und Bosheit schlugen um in blinden Hass. Die Dorfgemeinschaft schloss Zirbes vollends aus, als er 1901 zum Protestantismus konvertierte. Eine daraus resultierende Hetzjagd auf ihn und seine Familie fand ihren Höhepunkt in einer Brandstiftung.  

Der Roman beschreibt das Ringen eines talentierten Dichters um Anerkennung: einsam, verloren, missverstanden. Vor dem Hintergrund der Rheinlandschaft des 19. Jahrhunderts schildert Ute Bales das Leben eines Sonderlings, der zeitlebens an seiner Außenseiterrolle leidet, sich aufgerieben zwischen zwei Welten sieht. Der Kontrast zwischen der rauen dörflichen Umgebung und der Welt der Literatur und Dichtkunst macht den Reiz des Buches aus, die entscheidenden Momente von Leid, Liebe und künstlerischer Größe des Peter Zirbes gewinnen dadurch ihre Bedeutung.

 

Die Lesung aus dem Roman „Peter Zirbes“ mit der Autorin Ute Bales findet statt  am Samstag, 15. Januar,
um 16 Uhr,  in der Stadtbücherei (Synagoge) Bad Sobernheim.